Tipps

III. Beziehung


Eine Beziehung entsteht und lebt, wenn sich zwei Menschen begegnen, wenn sie sich achten und wertschätzen. Wie alles Lebendige entwickelt sich eine Beziehung jeden Tag weiter. Auch die Stunden glücklichster Verliebtheit können wir nicht festhalten, im Gegenteil, diese Zeit eilt schneller vorbei als jede andere. Schade vielleicht, aber kein Grund zur Beunruhigung also, wenn sich die Beziehung verändert. Beziehungen haben Phasen von mehr Nähe und wieder von mehr Distanz. Beides ist nötig.

Vor allem sechs Eigenschaften sind es, die eine Beziehung auf die Dauer belasten oder gar auflösen: die Abhängigkeit, der Druck, das Besitzdenken, eine abwertende Kommunikation und schlechte Wege der Konfliktlösung und der Stressbewältigung. Diese Elemente sind wie ein Rost, der die Pfeiler von Selbstwertgefühl, Selbstbestimmung, Entfaltung, Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und Liebe zerfrisst. Auf die Fragen der Kommunikation und der Konfliktlösung gehe ich in andern Abschnitten ein, hier folgen ein paar Tipps zum Thema der Abhängigkeit, dem Druck machen, zum Besitzdenken und ein paar weiteren Themen.


Tipps

Es ist so eine Sache mit Tipps. Rezepte gibt es keine für die Gestaltung einer Partnerschaft. Tipps haben einen sehr beschränkten Wert. Und trotzdem - manchmal kann man von Erfahrungen anderer etwas aufnehmen, manchmal hilft es, manchmal vergisst man die Sache besser. Ich bin sicher, dass Leser dieser Seiten selber in der Lage sind, allfällige Impulse für sich auszulesen, anderes sein zu lassen. Ich gebe Tipps auf Grund von Aussagen, die ich etwa höre. Erwarten Sie nicht zu viel, denn niemand weiss, wie man eine Partnerschaft wirklich führt.


Abhängig

Paare sind in vielfacher Weise voneinander abhängig. Menschen sind abhängig von der Geburt an. Um diese Grundtatsache kommt keine und keiner herum. Und doch ist jede Frau und jeder Mann dazu angelegt, unabhängiger zu werden und sich frei zu fühlen. Es geht also um die Anteile von Abhängigkeit und Unabhängigkeit, es geht auch um die gegenseitige Abhängigkeit, im Gegensatz zur einseitigen. Eine Beziehung ist zufriedenstellender, wenn beide Partner das richtige Mass an Freiräumen für sich selbst haben und es auch dem/der Partner/Partnerin lassen. Liebe kann ja nur geschenkt werden. Anbinden kann man sie nicht.


Wenn Sie den Partner/die Partnerin von sich abhängig machen, verlieren sie seine/ihre Zuwendung und Liebe.

Wenn ein Teil den andern abhängig macht und der andere Teil abhängig wird, dann sind beide betroffen. Nicht nur das Resultat trifft beide, beide verlieren. Schon die Entwicklung zur Abhängigkeit ist nur möglich, wenn beide mitspielen. So kann auch die Loslösung aus der Verstrickung am leichtesten gemeinsam bewältigt werden.

Auch in den äussern Bereichen ist eine gewisse Unabhängigkeit notwendig: eigener Wohnraum, eigene Freizeit oder eigenes Geld sind gerade so bedeutsam, wie eigene Freunde und eigene Hobbies. Bei all dem muss der Partner/die Partnerin nicht ausgeschlossen sein, aber er/sie wird diese Räume dem/der andern lassen. So wird die Zweisamkeit oder die Gemeinsamkeit wieder neu erlebbar.


Druck

Druck ist lästig und ruft zum Widerspruch. Er bedroht die Freiheit und Autonomie. Auch hier wird man feststellen, dass ein Partner vor allem dann Druck macht, wenn der/die andere sich unter Druck setzen lässt. Fragen Sie sich: Wie kommt es, dass ich unter Druck komme, dass ich mich unter Druck setzen lasse ? Was könnte ich tun, damit die Druckversuche des/der andern mich weniger tief treffen?

Hat der Partner/die Partnerin spezielle Gründe, Druck aufzusetzen ? Fragen Sie und teilen Sie mit, wenn Sie Druck spüren.

Wenn Sie selbst Druck erzeugen, dann ist die Frage, welche Wege Sie sonst entwickeln könnten, Ihre Ziele zu erreichen, ohne dass Sie Druck machen müssen.

Beobachten Sie das Zusammenspiel von Euch beiden und reden Sie mit der Partnerin/dem Partner über die Entdeckung und über andere Wege.


Besitzdenken

Besitzdenken gibt es nicht nur bei andern Völkern. Zwar bringen wir einem Schwiegervater, der seine Tochter in die Ehe "verkauft", nicht fünf Kamele als Brautgeld, aber manch ein Mann tut so, als wäre seine Frau sein Besitz, über den er in gewisser Weise verfügen könnte. Das lassen sich aber die meisten Frauen nicht bieten.

Es kann auch umgekehrt sein: Frauen betrachten ihren Mann unbewusst wie einen Besitz, den es eifersüchtig zu bewachen gilt, vielleicht auch als eine Art erwachsenes Kind, für das sie sorgen müssten. "Du kannst doch nicht mit diesem Hemd an den Anlass gehen...", kann es heissen.

Wir alle spüren, dass wir einen Menschen nicht besitzen können. Einer unserer Söhne hat als kleiner Bub einst versucht, eine wilde Katze mit einem Seil ans Haus zu binden. Der Wurf mit dem Lasso ist erstaunlicherweise geglückt, und die Katze konnte mit dem Seil herbeigezogen werden. Die Folge war, dass die Katze für einge Wochen nicht mehr aufgetaucht ist. Wer eine Liebe halten will, ist auf dem Weg, sie zu verlieren.


Eifersucht

Nahe beim Thema Besitzdenken steht das Thema Eifersucht, eines der häufigsten Streitthemen von Paaren. Eifersucht kann objektiv begründet sein, wenn Partner die Grenzen der vereinbarten Beziehungsregeln übertreten, sie kann aber auch subjektiv erlebt werden, obwohl aus Sicht des Partners kein Grunde dafür vorliegt. Eifersucht geht dann manchmal mit einem tiefen Selbstwert einher, oder auch mit unsicheren Bindungserfahrungen.

Eifersucht ist ein Gefühl, wie andere Gefühle auch. Gefühle können und sollen nicht unterdrückt werden. Ein Umgang mit ihnen besteht darin, sie in Schach zu halten. Dazu können folgende Tipps hilfreich sein (Tipps formuliert von Guy Bodenmann(2009)):

Tipps für Eifersüchtige
+ Lenken Sie sich im Alltag durch Beschäftigungen und Hobbys ab.
+ Bemühen Sie sich, nicht krampfhaft nach Zeichen von Untreue des Partners zu suchen.
+ Suchen Sie Bestätigung in anderen Bereichen als der Partnerschaft.
+ Wenden Sie sich erfüllenden und aufbauenden Aufgaben zu.
Tipps für den Umgang mit eifersüchtigen Menschen
+ Versuchen Sie, dem eifersüchtigen Partner zu zeigen, dass Sie ihn gern haben und ihm Sorge tragen möchten.
+ Zeigen Sie dem Partner, dass er keinen Grund zur Eifersucht hat. Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Sorgfalt sind dafür die besten Grundlagen.
+ Vermitteln Sie dem eifersüchtigen Partner Geborgenheit und Sicherheit, indem Sie sich aktiv und bewusst bemühen und zum Beispiel auf Flirtgelegenheiten verzichten.
+ Wie Studien zeigen, bildet sich so beim Partner in der Regel ein stabiles Vertrauen aus, was zu einer Entspannung führt.


Mein Bild vom Partner/von der Partnerin

Sie sollten einer bestimmten Vorstellung des Partners/der Partnerin entsprechen, oder Sie haben ein Bild, wie Ihr Partner, Ihre Partnerin sein sollte ? So verbreitet und normal dies ist, viel Enttäuschung beginnt damit, dass ich den andern nicht nehme, wie er ist, sondern ihn so haben möchte, wie ich ihn/sie mir vorstelle.

Wenn Sie merken, dass Sie von Wunschbildern geleitet werden, kann es hilfreich sein, wenn Sie sich mal hinsetzen und niederschreiben, wie Sie sich Ihre Partnerin/Ihren Partner vorstellen. Was alles gehört zu diesem Bild. Lesen Sie dann an einem andern Tag Ihren Text nochmals durch, wie Sie den Text eines Kollegen/einer Kollegin lesen würden. Was würden Sie ihm/ihr sagen ?

Vielleicht fragen Sie sich, woher das Bild eigentlich in den Kopf gekommen ist oder wie es wäre, wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin Ihrem Bild entsprechen würde.


Verhalten ändern

Die meisten Paare, die in Beratung kommen, äussern die Erwartung, dass sich der Partner/die Partnerin ändert. Ich sollte dabei helfen.

Versuchen Sie nicht, den Partner/die Partnerin zu ändern. Nehmen Sie ihn/sie so wie er/sie ist. Versuchen Sie die guten Seiten zu sehen, und die andern sein zu lassen. Dagegen können Sie sich selbst ändern, wenn Ihnen dies richtig oder notwendig scheint. Ihre Schritte werden dann auch die Partnerin/den Partner in Bewegung bringen.

Partner und Partnerinnen ändern sich ohne unser Zutun. Wenn ein Partner ihn/sie ändern will, dann regt sich meistens Widerstand und das Bemühen ist Kraftverschwendung. Ihn/sie so zu nehmen wie er/sie ist, ist nicht ganz leicht, zugegeben. Aber schliesslich haben wir auch alle gelernt, das Wetter so zu nehmen wie es ist, und je nachdem den Schirm zu öffnen oder die Skier hervorzuholen.


Äderungen zulassen

Manchmal möchten wir eine Beziehung so erhalten, wie sie ist. Wer würde nicht gerne wochenlange, jahrelange Flitterwochen auskosten. Immer wieder höre ich, dass die Beziehung nicht mehr das ist, was sie einst war. Andere wissen sehr wohl, dass z.B. nach einer Krankheit oder nach einer Affäre, nach der Geburt eines Kindes oder nach "all dem, was passiert ist" die Beziehung nie mehr die alte sein kann. So schmerzlich diese Einsicht ist, so richtig ist sie. Es ist für die Weiterentwicklung von Vorteil, wenn der Schmerz des Verlustes, der sich bei solchen Erfahrungen einschleicht, ertragen wird. Damit wird der Weg frei für neue Entwicklungen. Gefährlich wird es dann, wenn Veränderungen verhindert werden, wenn der Konservierungsspray "das haben wir immer so gemacht" über die lebendigen Regungen der beiden Menschenherzen und Menschenkörper gesprüht wird. Manche sagen, dass auf diese Weise eine Neurose beginne. Was immer das sein soll, jedenfalls beginnt damit das Absterben der Beziehung. Also: keine Angst vor Veränderungen: bei der Geburt eines Kindes, beim Anwachsen der Zahl der Ehejahrringe, bei der Einschulung eines Kindes, beim Ausfliegen von Söhnen und Töchtern, bei der Pensionierung, beim Tod von Angehörigen, bei jedem Ereignis. Das Leben ist jeden Tag anders und in gewisser Weise neu. "Man kann nie zweimal in denselben Fluss steigen."


Frostige Atmosphäre

Zeigen Sie dem Partner/der Partnerin wieder Ihre Wertschätzung. Es mag eine Kleinigkeit im Alltag sein, die Sie an ihm/ihr positiv herausheben. Eines der vier wichtigsten Grundbedürfnisse eines jeden Menschen ist das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung. Was tut man nicht alles, um diesem Bedürfnis nachzukommen. Kein Wunder also, beginnen die Augen der Frau wieder zu leuchten, wenn Ihr ein Mann sagt, sie habe wunderschöne Augen. Es ist nicht verboten, der eigenen Frau seine Bewunderung zu zeigen. Auch Männer hören gerne ein Kompliment etwa von der Art, dass auf sie Verlass sei oder dass er sicher Auto fahre. Eine frostige Atmosphäre weicht der Frühlingswärme, wenn solche Wertschätzungen zum Alltag gehören. Dies zu tun ist umso leichter, je mehr man auch sich selbst mag und gelten lässt.


Ausgang mit Dir allein

Jeder Mensch möchte bei andern die Erfahrung machen, dass er in seinem besonderen Wert gesehen zu wird. Dies gilt auch vom Lebenspartner. Doch gewöhnen wir uns schnell aneinander und wir nehmen alles für selbstverständlich.

Es hat sich langsam herumgesprochen, dass auch eine Beziehung eine regelmässige Pflege braucht. Es geht darum, die Tendenz der Erosion zu bemerken und sie zu stoppen. Meine Frau, mein Mann - unsere Beziehung braucht eine vorzügliche Pflege: Zeit miteinander, Ausgang zu zweit, Gespräche, Zärtlichkeit und Sex, Lachen und Streiten und Lachen und... Warum nicht wieder einmal ins Fotoalbum blicken. Was könnte man wieder tun, damit Sie wieder ähnlich wundervolle Stunden wie damals miteinander erleben können ?


Liste von zehn aufbauenden und zehn schwächenden Verhaltensweisen

Beziehung stärkendes Verhalten Beeinträchtigende Verhaltensweisen
+ mit noch so kleinen Gesten im Alltag die Verbundenheit zeigen - mit wegwerfenden Bewegungen reagieren
+ Interesse an den Erfahrungen des/der andern ausdrücken - abschalten, wenn der Partner/die Partnerin etwas sagt
+ unregelmässig ein überraschendes Angebot machen - immer dieselben Abläufe beibehalten
+ die besonderen Vorzüge des Partners/der Partnerin ansprechen - Vergleiche mit andern Menschen anstellen, bei denen der Partner/die Partnerin schlecht wegkommt
+ in Gesellschaft anderer Menschen den Partner/die Partnerin beachten - im Beisein anderer Leute den Partner/die Partnerin kritisieren
+ einen Weg finden, sich auch körperlich nach/bei aufregender Meinungsverschiedenheit wieder zu beruhigen - das Feuer der Vorwürfe und die Eskalation schüren
+ wirklich verzeihen und weitergehen - eine geheime Buchführung zu den 'Fehlern' des andern machen
+ bewusst Zeit für Aktivitäten oder Gespräche einsetzen - zuerst alles andere tun, bevor es Zeit für den Partner/die Partnerin gibt
+ gemeinsame Ziele verfolgen - die Zielsetzungen des andern heruntermachen
+ dem Partner/der Partnerin Freiraum lassen - den Partner/die Partnerin kontrollieren

Ein Wort von Thomas Hora.

"Um sich selbst zu verstehen, muss man von einem andern verstanden werden. Um vom andern verstanden zu werden, muss man den andern verstehen."

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