Tipps

IV. Affären und Partnerschaft


"Wo Amors Pfeil recht tief getroffen, Da stehen Himmel und Hölle offen"

Theodor Fontane: Irrungen und Wirrungen, viertes Kapitel.

Affären brauchen etwas Zeit

Verlieren Sie nicht den Kopf. Jetzt braucht es zuerst Zeit. Vorwürfe und Schuldgefühle helfen nicht weiter, Bagatellisieren auch nicht. Verheimlichen hilft nicht lange, Lügen haben kurze Beine. Ein Lebenswille in Ihnen oder in Ihrem Partner/Partnerin hat sich durchgesetzt, ist fremd gegangen, Amor hat seine geheimnisvollen Pfeile abgeschossen, und alle leiden. Aber nicht nur. Liebe - zwar nicht am erwarteten und oft nicht am erwünschten Ort und häufig zum falschen Zeitpunkt - ist eine belebende Kraft. Die Betroffenen kommen in die Klemme, sollen sie sich selbst treu sein, oder dem Partner/der Partnerin ? So schmerzlich und wild die Geschichte werden kann, sie bringt einen Karren voll Chancen mit sich - zum Aufbruch, zur Neubesinnung, zum Neuanfang. In welche Richtung ? Das ist die schwierigste Frage. Und die Antwort braucht Zeit und Gespräche.

Immer stehen mindestens zwei Richtungen offen. Eine Richtung wird durch Amor gewiesen

Eine Richtung wird durch Amor gewiesen hin zu einer neuen Liebe. Die Gefühle sind stark und drängen, vielleicht so stark wie noch nie oder wie seit Jahren nicht mehr. Da denkt der/die Betroffene, das sei nun erst die wahre Liebe. Wie hat er/sie nur so lang warten müssen, diese Liebe zu entdecken! Irgendwo im Hinterkopf steckt dann doch auch die Erinnerung, dass es schon einmal im Leben so war, und dass alle Liebesgefühle sich wandeln, wahrscheinlich wird es auch diesmal so sein. Aber solche Überlegungen sind dann wie Spielverderber, und eine andere Seite sagt klar: diesmal ist es anders. Wäre da nicht ein Partner/eine Partnerin, dann wäre alles klar. Oder - nicht selten - wären da nicht Kinder, dann wäre die Entscheidung gefällt. Amor stellt zuerst aber keine solchen Fragen. Er überfällt Mann und Frau oft wie ein unerwartetes Gewitter - manchmal war der Liebesgott aber auch schon längst im Geheimen herbeigesehnt worden. Ganz so schicksalshaft geht es nicht immer zu, wie Amor uns weismachen möchte.

Die andere Richtung

Die andere Richtung heisst: die bisherige Partnerschaft beibehalten. Doch es kann nicht mehr im gleichen Tramp wie vorher weitergehen. Einiges ist durch die Verliebtheit verändert, ob es der Partner/die Partnerin weiss oder nicht. Es gilt, neues Leben in die bisherige Beziehung zu bringen. Das ist vor allem dann möglich, wenn beide um die Affäre wissen und die Alarmglocke hören können.

Affären sind Chancen

Wenn beide die Bedeutung der Affäre als Alarmzeichen deuten können, dann kann die schwierige Zeit eine grosse Chance für das Wachstum der Beziehung darstellen. Allerdings kommt die Chance auf sehr zarten Füssen, und nur wenn eine gewisse Grossherzigkeit den Gesprächen einen Raum eröffnet, kann sie allenfalls ergriffen werden.

Moralisieren hilft nicht weiter

Da sich Paare in den meisten Fällen ausdrücklich oder doch stillschweigend Treue zugesagt haben, liegt es nahe, mit moralischem Druck den Prozess stoppen zu wollen. Diese Art trägt aber wenig zur Verarbeitung und Lösung bei. Schuldgefühle und Verurteilungen sind menschlich und nachvollziehbar, sie sind aber nicht konstruktiv. Es hilft weiter, wenn die Betroffenen sich fragen können: welche neue Form von Lebendigkeit liegt in dieser unerwarteten Erfahrung verborgen und wie lässt sie sich jetzt umsetzen.

Erklärungen braucht der Mensch

Es ist begreiflich, dass sich jetzt alle Beteiligten fragen, wie konnte es nur so weit kommen. Man sucht Gründe in der eigenen Ursprungsfamilie oder in der Partnerschaft, man schiebt dem "Einbrecher"/der "Einbrecherin" in die Liebe den Fehler zu, man zitiert gesellschaftliche Umstände oder Charakterschwäche und vieles mehr. Wir Menschen möchten verstehen, was mit uns passiert. Das ist auch richtig so und gewiss werden lange Gespräche sich auch auf solche Fragen richten. Manchmal lassen sich leicht Verhaltensketten erkennen, die die bisherige Beziehung langweilig oder aufreibend haben werden lassen. Und doch: irgendwie führen diese Fragen nicht oder nicht immer weiter. Eine in die Zukunft gerichtete Orientierung scheint mir in diesen Fällen hilfreicher: wie soll es jetzt weitergehen, wie soll die nächste Zukunft aussehen, wie wird das Zusammenleben geregelt, wie könnte es mittelfristig werden, welches wären gangbare oder wenigstens denkbare Wege.

Den Selbstwert stärken

Die Entwicklung braucht Zeit, die Gespräche brauchen Zeit. Sicher ist es gut, wenn sich Paare Zeit lassen. Doch kann der Schmerz Grenzen setzen. Die Schmerzen, die Verlustängste oder die Trauer, die Wut oder die Verzweiflung, die Verunsicherung und das Nicht-mehr-verstehen- können (bei sich selbst und beim andern), all dies bewirkt ein Durcheinander aller Gefühle, das jedes vorstellbare Mass übersteigt. Nebst der Pflege von Gesprächen ist es jetzt auch wichtig, mit sich selbst gut zu sein. Der durch die Affäre bedrohte Teil kann sich sagen, dass die neue Liebe des Partners/der Partnerin nicht gegen sie/ihn gerichtet ist und nichts damit zu tun hat, dass sie/er selbst weniger wert wäre. Sie/er bleibt ein einmaliger und wertvoller Mensch, auch wenn eine zunächst unlenkbare Liebesglut den Partner/die Partnerin auf jemand anders hingelenkt hat. - Das ist schneller geschrieben als gedacht und geglaubt, ich weiss. Und doch liegt darin eine Möglichkeit, die eigene Mitte nicht ganz zu verlieren.

Sich auf sich selbst besinnen

Die Partnerschaft steht bei Affären im Zentrum. Und doch ist jetzt auch Zeit, über das eigene Leben und die Zukunft nachzudenken. Was würde es heissen, bald wieder - wenigstens für einige Zeit - allein zu sein. Wo liegen die eigenen Kräfte und Möglichkeiten, wo sind Entfaltungen und Schritte möglich, die bis heute zurückgestellt oder vernachlässigt wurden ?

Keine leichte Zeit

Es ist keine leichte Zeit. Manche kommen kaum je über solche Erfahrungen hinweg. Gespräche auch mit Fachleuten, aber auch mit guten Freunden oder Freundinnen, sind jetzt wichtig. Und doch kann man auch beobachten, wie unzählige Menschen solche dunklen Phasen erleiden, Wochen und Monate, die die Gesundheit strapazieren und alle Kräfte zu rauben scheinen, und die wenigsten werden dabei verbittert oder zerstören ihre Leben. Sie alle haben einen Weg gefunden und das Leben hat Ihnen Neues eröffnet. Das Leben ist weiter und grösser als eine Partnerschaft, wie kostbar und einmalig diese auch ist.

>> Weiter zu Kapitel V. Sexualität

E-Learning Kurs:
Internetberatung lernen.

Buch 2015:
Wenn der Liebeskompass spinnt
Hier mehr Infos
_________________________

Gesundheitsförderungspreis des Kantons Aargau

Hier stehen für Sie fünf Tests bereit!

Beziehungstipps