Tipps

VI. Kommunikation


A) Grundvoraussetzungen der Kommunikation


1. Achtung vor dem andern

Eine dauerhafte Beziehung setzt voraus, dass sich zwei Menschen grundlegend wertschätzen. Dazu zählt die Achtung. Das heisst, ich bin mir bewusst, dass er andere, die andere ein einzigartiges, wertvolles Individuum darstellt. Achtung zeigt sich in der Art, wie ich auf den andern zugehe, oder in der Art, in welcher ich dem andern zuhöre.


2. Verstehen wollen (Antennen ausfahren)

Verständnis ist nicht dasselbe wie Einverständnis. Jeder und jede kann seine/ihre Sichtweise haben und auch behalten, im Verständnis liegt aber das Bemühen, die Dinge auch aus der Sicht des/der andern zu begreifen.

Ein Witzchen dazwischen:

Bolle trifft seinen Freund Knolle, der Arm in Arm mit seiner Frau spazieren geht. Nimmt Bolle Knolle beiseite: "Sag, Knolle, was reizt dich eigentlich an deiner Frau nach dreissigjähriger Ehe ?" "Jedes Wort, Bolle."

P.S. >>> Weitere Witze Finden Sie in der Paarecke


3. Richtig aufnehmen (Ohren offen)

Eine gute Möglichkeit ist dabei das Nachfragen, das sogenannte "Validieren". Ich frage zum Beispiel: " Ich bin nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe. Hast Du das... gemeint ?" Dadurch zeige ich dem andern, dass ich redlich bemüht bin, ihn richtig zu verstehen.


4. Selbstwahrnehmung (Aufnahmegerät ohne Defekt)

Es hilft mir beim Gespräch, wenn ich mir bewusst bin, wie ich selbst gerade "drauf bin". Vielleicht bin ich von der Arbeit oder aus unbekanntem Grund so gereizt, dass jedes Gespräch abstürzen muss. Da hilft es, zunächst etwas fülr sich selbst zu tun und dem andern zu sagen, dass die Gereiztheit nichts mit ihm/ihr zu tun hat.


5. Bedürfnisse des andern sehen

Sensibilität heisst ein weiteres Prinzip. Es geht darum, dass ich die Bedürfnisse des andern wahrnehmen kann. Häufig sind wir in den Beziehungen so sehr mit den eigenen Wünschen beschäftigt, dass wir die Wünsche des andern gar nicht wahrnehmen. Manchmal wollen wir auch gar nicht sensibel hinhören, weil wir Angst haben, wir würden dann vom andern ausgenützt.

B) Prinzipien der Kommunikation



1. Aktualität

Es ist wichtig, dass Partner den richtigen Zeitpunkt wählen, um miteinander zu sprechen. Wenn es etwas zu besprechen gibt, sollte dies rasch getan werden. Es gibt Frauen und Männer, die kleine Stiche oder auch einen Druck vom Partner sehr genau spüren, aber gerade dann können sie nicht reagieren. Sie lassen diese Stiche sitzen, vergessen können sie sie nicht. Eines Tages brechen sie hervor, sie explodieren. Dieser unkontrollierte Ausbruch kann Schaden anrichten. Die sofortige Bereinigung braucht ein bischen Mut, aber sie verspricht ein befriedigenderes Ergebnis.


2. Umgangsformen

Manchmal gehen Paare mit fremden Menschen freundlicher um als miteinander. Das heisst: sie beherrschen die sozialen Umgangsformen, die hilfreich sind, um unser Zusammenleben erträglich oder sogar angenehm zu machen. Doch im Umgang mit dem Partner ist dieser Umgangsstil plötzlich vergessen. Natürlich ist es ein gutes Zeichen für die Partnerschaft, wenn man sich nicht so sehr kontrollieren muss und spontan sein darf, wenn man sich also zu Hause fühlt. Aber ein rüder und unfreundlicher Ton ist kein Weg zu einem gemütlichen Zuhause.


3. Eingrenzen des Themas

Es hilft weiter, wenn Paare über ein bestimmtes, klar umrissenes Thema miteinander diskutieren, besonders auch, wenn sie unterschiedliche Ansichten vertreten. Begrenzen Sie eine Auseinandersetzung auf ein einziges Thema. Weitere Themen stellen Sie zurück auf den Zeitpunkt des nächsten Gesprächs.


4. Spezifität

Es hilft der Verständigung, wenn wir dem Partner/der Partnerin klar sagen können, was wir fühlen (1). Besonders hilfreich ist es, wenn wir ganz konkret bezeichnen können, welche Ausdrücke oder Handlungen uns diese Gefühle auslösen (2), und welche Umstände oder Bedingungen die Sache verschlimmern.

Zum Beispiel: "Ich fühle mich heruntergemacht (1), wenn Du witzelst (2), "Heute gibt es wieder einmal etwas Anständiges zu Essen" - und dies erst noch vor Gästen (3), die mich nicht gut kennen."


5. Fragen oder Gedankenlesen

Die Überzeugung, die Gedanken oder Gefühle des/der andern in einer bestimmten Situation zu kennen, nennen wir Gedankenlesen. Die Person nimmt an zu wissen, was der andere fühlt, während dies in Wirklichkeit gar nicht stimmen muss. In Forschungsberichten kann man lesen, dass unglückliche Paare sich im Gegensatz zu glücklichen Paaren durch sogenanntes negatives Gedankenlesen auszeichnen. Um negatives Gedankenlesen zu umgehen, gilt es zu lernen, die eigenen Annahmen zu überprüfen. Es ist besser, Fragen zu stellen, um sicher zu wissen, was der andere/die andere meint.


6. Nonverbales Verhalten

75% der Informationen, die wir über andere erhalten, werden durch nonverbale Signale vermittelt. Bei Widersprüchen zwischen verbalen und nonverbalen Botschaften schenkt man im allgemeinen den nonverbalen Aspekten Glauben. Nonverbale Informationen liefern: der Gesichtsausdruck, die Mimik, Anheben der Augenbrauen, Augenbewegungen, Pupillengrösse, Blickkontakt, Kopfnicken, Lächeln, Stirnrunzeln, Grimassenschneiden, der Atem und viele weiteren unwillkürliche oder willentlich gesteuerte Muskelbewegungen. Eindeutig sind diese Hinweise aber nicht. Wichtig sind der Tonfall, die ganze Körpersprache inklusive der Haltung, der Gesten und Berührungen.


7. Die erwünschte Antwort

Oft möchten wir eine bestimmte Antwort erhalten. Statt dessen tönt es negativ zurück. Das habe ich nicht erwartet und nicht gewollt. Statt dass ich jetzt dem andern die "Schuld" zuschiebe, kann ich versuchen, meine Mitteilung so zu formulieren, dass ich die erwünschte Antwort erhalte. Versuchen Sie es. Es ist wie ein Spiel.


8. Einzelverhaltensweisen

Jede einzelne Art des Sprechens fördert oder beeinträchtigt das Gespräch. Vergleich die Liste mit förderlichen und beeinträchtigenden Verhaltensweisen.

Förderliches Verhalten Beeinträchtigende Verhalten
+ positiv sein (ich mag dein frisches Lachen) - nörgeln (kannst du die Zeitung nie an ihren Ort legen
+ sich Zeit nehmen zum Hinhören - dem andern ins Wort fallen und unterbrechen
+ sich kurz und bündig ausdrücken - weit ausholen und dramatisieren
+ Bestätigungen geben - nur gerade das Haar in der Suppe ansprechen
+ Hinweise des andern als Sichtweise des andern verstehen, nicht als Kritik - Hinweise als Kritik und Beleidung interpretieren
+ persönliche Aussagen machen(d.h. Ich-Aussagen) - pauschale und verallgemeinernde Aussagen machen (immer machst du..)
+ vorhandene Übereinstimmung feststellen und äussern - die Unterschiede vergrössern, indem man möglichst viele gegenteilige Beispiele aus verschiedenen Bereichen anfügt
+ beim gegenwärtigen Thema bleiben - alte Geschichten bei jeder Gelegenheit hervorziehen
+ Zuneigung zeigen, auch mit zärtlichen Zeichen oder Berührungen im Alltag - denandern/die andere mit sarkastischen Bemerkungen fertig machen
+ massvolle (statt brutale) Ehrlichkeit - destruktive Kritik üben, ohne das Positive zu sehen

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