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VII. Konflikte und Partnerschaft


Konflikte gehören dazu

Zahlreiche Beziehungskonflikte kommen im Expertenchat bei www.das-beratungsnetz.de vom Jan. 06 zur Sprache, auf die der Autor kurze Antworten gegeben hat. Dieser Link gibt Ihnen den Zugang zum Protokoll dieses 90-minütigen Chats. Beziehungskonflikte im Expertenchat - Protokoll

Wo zwei Menschen zusammen sind, gibt es zwei Meinungen. Manchmal decken sie sich, manchmal nicht. Einmal kann eines nachgeben, sich anpassen, einmal das andere, manchmal keines von beiden. Konflikte sind unausweichlich und gehören zu einer Partnerschaft gerade so wie Wind und Wasser zum Meer. Wellen sind kein Grund zur Panik. Besser ist es, mit ihnen zu rechnen.

Es gibt verschiedene Wege, mit Konflikten umzugehen. Eine bekannte Version besteht darin, zu behaupten, dass es gar keine Konflikte gibt. "Ich weiss gar nicht, was du hast, wir haben es gut zusammen".

Noch weniger kann ein Konflikt angegangen werden, wenn er tabuisiert wird. Man weiss zwar vom Konflikt, aber niemand spricht ihn an.

Eine dritte ungünstige Art, einen Konflikt zu managen, besteht darin, die andere Meinung als Vorwurf zu verstehen und sofort zum Gegenvorwurf auszuholen. "... Du solltest da besser schweigen, gerade Du hast doch auch...."

Es hilft auch nicht weiter, wenn im Konfliktfall ein Sündenbock gesucht wird. "Immer wenn Du Dich mit Susi getroffen hast, kommt Du mit diesen feministischen Sprüchen".

Andere bestreiten die Grundlage eines Konflikts: "Es stimmt gar nicht, ich habe das gar nie gesagt." "Überhaupt, ich habe diese Kollegin schon lange nie mehr gesehen."

Ebenso wenig hilfreich ist der Rückzug in die Resignation: "Ich mag gar nicht mehr darüber reden, Du hast sowieso recht".


Das Problem ernstnehmen

Das ist der erste Schritt. Es ist nur der erste, aber schon der entscheidende Schritt. Kaum einen Satz kann man in der Paarberatung so oft hören wie den Vorwurf: "Ich werde nicht ernst genommen". Es gibt unzählige Varianten, vom unbequemen Problem abzulenken und so den andern/die andere leerlaufen zu lassen, aber das Thema wird wiederkommen.


Auf ein Thema pro Aussprache begrenzen

Themen sind komplex. Ein Aufbegehren kommt selten allein. Im Gegenteil. Viele Paare warten lange zu, bis ein Partner explodiert, und dann kommt nicht ein Thema, dann kommt ein ganzer Berg von Vorwürfen. Es macht die Sache sehr viel einfacher, wenn sich jetzt das Paar auf ein erstes und wichtigstes Thema beschränkt und der Versuchung widersteht, jetzt gleich alles andere auch noch anzubringen.


Die Standpunkte klären

Konflikte bestehen oft darin, dass man die Sache einseitig sieht. Hat man erst einmal den Mut und die Ruhe, den Standpunkt und die Betrachtungsweise des Partners/der Partnerin genau anzusehen, dann ist die Sache oft schon gut. Manchmal will der Partner gar keine eigentliche Lösung, er/sie will nur, dass er/sie sich aussprechen kann und dass er/sie gut zuhört. Klärung der Standpunkte heisst auch, den Grund zu verstehen, warum man dies oder jenes tun oder haben möchte. Manchmal kann man dann Wege finden, die das angezielte Resultat bringen, aber auf einem andern Weg, so dass beide zufrieden sind.


Lösungsvarianten suchen

Bei den meisten Themen gibt es verschiedene Lösungen. Wie kommt es nur, dass wir uns manchmal auf eine bestimmte Variante fixieren. Vielleicht meinen wir, es wäre eine Schwäche, von einer vorher geäusserten Ansicht abzuweichen. Dem ist aber nicht so. Vielmehr zeigt sich in der Flexibilität eine innere Freiheit und Kraft.


Einen Kompromiss suchen

Es gibt Themen, bei denen kann man nicht Kompromisse in dem Sinn eingehen, dass quasi "halbiert" wird. In solchen Fällen besteht der Kompromiss eher in der Absprache, dass diesmal der eine Partner, beim andern Thema der andere Partner sich durchsetzen kann.


Mit Lösungen experimentieren

Das Gesetz des Wandels ist auch ein Gesetz der Partnerschaft. So sind auch Lösungen immer nur für eine gewisse Zeit brauchbar. Es kann sehr erleichtern, wenn sich ein Paar einigen kann mit der Vorstellung: wir versuchen jetzt mal so und reden dann wieder darüber.


Ein Thema abschliessen

Es deprimiert Partner, wenn dasselbe Thema immer und immer wieder auf den Tisch kommt. "Du kommst immer mit altem Zeug hervor", heisst es dann. Es ist hilfreich, wenn man sich die Zeit nimmt, einmal hinzusitzen und ein Thema so weit zu besprechen, dass es abgehakt werden kann. Vielleicht braucht es dazu eine ehrliche Bitte um Entschuldigung und ein ebenso ehrliches Annehmen der Entschuldigung.


Wohltuender Schlusspunkt

Wenn ein Konflikt gut zu Ende gebracht ist, kann es für beide Partner ein Anliegen sein, den positiven Abschluss zu besiegeln: mit einer Tasse Tee, einem Glas Wein, einer zärtlichen Begegnung oder sonst einem kleinen Ritual, das den positiven Abschluss würdigt.


Konflikte und Gewalt

Leider gibt es eine Anzahl von Paaren, bei denen meist der Mann zur Gewalt greift, um seine Sicht durchzusetzen. Auch wenn bei solch bedauerlichen Vorfällen oft beide Partner traurig und zerknirscht sind, auch wenn beide zur Eskalation bis zur gewalttätigen Handlung beitragen, so führt der (die) Gewalttätige doch eine neue Dimension ein, die unter gar keinen Umständen toleriert werden kann. Es gibt keine einzige Ausnahme. Die Handlung hat Strafcharakter und kann Kosequenzen haben.

Das Thema ist zu komplex, als dass es hier behandelt werden kann. Es sei aber auf eine Adresse verwiesen, bei der eine erste Hilfe und weiterführende Informationen kostenlos erhältlich sind. Es ist die Nummer in Zürich 01 / 278 99 99.

Zum Thema Konflikt zu Geldfragen siehe meinen Artikel: "Macht und Geld" zum Herunterladen. Er behandelt den Zusammenhang von Macht, Geld und Liebe in Partnerschaften

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